Kommentar: Der Feind meines Feindes
Kleiner Test Ihrer Allgemeinbildung: Wie viel Brot isst der Durchschnittsdeutsche im Jahr? Die Aufgabe haben Sie wahrscheinlich als zu leicht empfunden, schließlich steht doch da die offizielle Aussage des Zentralverbandes: 56 Kilogramm. Großbäckerpräsident Norbert Lötz hat jetzt darauf hingewiesen, dass es durchaus abweichende Angaben in dieser Frage gibt. Manche davon auch durch Studien belegt. Die unterschiedlichen Werte gehen zum einen auf Definitionsfragen zurück – Zählen wir die Kekse dazu oder nicht? – vor allem aber auf statistische Unsicherheiten. Einigermaßen sicher wissen wir eigentlich nur die Menge, die über den LEH verkauft wird. Schon beim Absatz über die Fachgeschäfte ist Rätselraten angesagt und bei den Dönertaschen stochern wir endgültig im Nebel. Immerhin sind sich Groß- wie Handwerksbäcker in einer Frage einig: Beide verlieren Brotmenge und das hat mit einem Wandel der Ernährungsgewohnheiten zu tun. Es macht sich langsam bemerkbar, dass Influencer Brot immer wieder als Dick- und Dumm-Macher verleumden und so insbesondere junge Kunden vom Brot wegbringen. Die Frontlinien der Vergangenheit – wir denken hier an die legendäre Kampagne des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks zur „Massenbrothaltung“ – gelten nicht mehr. Niemand gewinnt, wenn sich die Branche wechselseitig als „Tütenbäcker“ beschimpft. Angesichts der neuen, großen Gefahr sollte für Handwerks- wie Großbäcker gelten: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.