Eigentlich eine schöne Idee

Trinkgeld im Bäckerhandwerk ist schon seit Längerem eine kontroverse Geschichte. Vielen Unternehmern ist es am liebsten, wenn die Verkaufsteams ihre Schweinderl selbst verwalten und sie mit dem Geld – auch aus steuerlichen Gründen – nichts zu tun haben. Was ich nicht weiß, macht mich bekanntlich nicht heiß. Außerdem birgt Trinkgeld aus Gründen der Verteilungsgerechtigkeit eine Menge Konfliktpotenzial: Welche Abteilungen partizipieren? Wie wird es zwischen Voll- und Teilzeitkräften aufgeteilt? Schließlich muss auch noch sichergestellt sein, dass durch das Trinkgeld nicht die Gefahr des Mitarbeiterdiebstahls erhöht wird. Nun ändert sich mit dem Siegeszug des bargeldlosen Bezahlens auch etwas in der Trinkgeldkultur. Hat man früher – schon um die Geldbörse nicht zu schwer werden zu lassen – das kleine Retourgeld unkompliziert in das Schweinchen entsorgt, ist beim bargeldlosen Bezahlen eine andere Art der Aktivität gefragt. So sind manche Branchen auf die Idee gekommen, aktiv eine Trinkgeldabfrage einzubauen: Möchten Sie fünf oder zehn Prozent Trinkgeld geben? Oder soll es nur die Summe auf dem Bon sein? Das System hat in den USA begonnen und dort – obwohl der Amerikaner sehr trinkgeldfreundlich ist – für manche Kontroverse gesorgt. Wir drücken deshalb den tapferen Bäckern, die eine vergleichbare Lösung für ihre Mitarbeiter in Deutschland etablieren möchten, fest die Daumen. Die Verkaufsteams haben es sicherlich verdient. Allerdings bleibt die Sorge, dass sich der deutsche Verbraucher unter Druck gesetzt fühlt und deshalb den Weg nicht mitgeht.
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Autor
Dirk Waclawek
Veröffentlicht am 04.02.2025
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