Das Bäckerhandwerk steht vor Herausforderungen. Genauso wie unsere Gesellschaft. Überbewerten dürfen wir das in den Augen des Bäckerpräsidenten aber nicht: „Wir haben keinen Grund, uns die Lage schönzureden. Aber wir haben auch keinen Grund, alles schlechter zu sehen als es ist.“ Mit dieser Portion Optimismus eröffnet Roland Ermer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, seine Rede auf der Jahrestagung des Zentralverbandes am 12. Oktober in Ingolstadt. Das heißt nicht, dass er die Herausforderungen verkennt, davon folgten in seiner Rede reichlich. Das aufkeimende Wachstum sei schuldengetrieben, der Sozialstaat bedarf einer Reform, die nicht kommt, und in Sachen Bürokratieabbau wird es eher schlimmer als besser.
Beispiele für die Verwaltungswut führte der Präsident genügend an. Beispielsweise lieferte er eine klare Feststellung zu einem aktuellen Thema: „Die Zuckersteuer ist der Einstieg in die Strafsteuer.“ Um den anfänglich beschworenen Optimismus aufzugreifen: In Sachen Sonntagsarbeit besteht Grund zur Hoffnung. Kanzler Merz habe ihm zugesagt, sich der Problematik anzunehmen und im Zweifel für Ausnahmeregelungen für das Bäckerhandwerk zu sorgen. Mit Blick darauf, dass Investorengruppen vermehrt mittelständische Handwerksbetriebe übernehmen, mahnte Ermer die Versammlung: „Geht auf diese Betriebe zu. Wir brauchen diese Betriebe und sie brauchen uns genauso. Die politische Vertretung übernimmt ansonsten niemand.“
Neu in diesem Jahr war auf der Versammlung unter anderem der Bericht von Sabrina Stief, die für das Bäckerhandwerk in Brüssel an vielen der angesprochenen politischen Themen arbeitet. Neu ist außerdem, dass Jürgen Hinkelmann, Vizepräsident des Zentralverbandes, einen konsolidierten Haushalt vorstellen konnte, der unter anderem die ehemalige Werbegemeinschaft und die Einnahmen durch die Iba umfasst. Der Zentralverband rechnet für 2026 mit Einnahmen in Höhe von drei Millionen Euro, im Iba-Jahr 2027 sind es 4,7 Millionen Euro.
Eine besondere Ehre wurde zum Abschluss der Jahreshauptversammlung Dietmar Baalk und Fritz Trefzger zuteil, die zu Ehrenmitgliedern des Zentralverbandes ernannt wurden.