Geschmack bleibt Trumpf

Es mag sein, dass ich den Algorithmus hinter meinem Instagram-Profil in letzter Zeit aus Versehen mit unpassenden Dingen gefüttert habe. Jedenfalls bekomme ich seit neuestem jede Menge Werbung für zahllose Varianten von koffeinfreiem Kaffee. Dabei bin ich eigentlich gar nicht die passende Zielgruppe. Ohne das Koffein würde meine morgendliche Metamorphose wohl vollständig ausbleiben. Nun verspricht mir die Werbung aber, dass die koffeinbefreiten Varianten viel gesünder seien als die konventionellen. Besonders bei gestressten Menschen sei das Stimulans weniger hilfreich. Eine Erzählung, die genauso oft über koffeinhaltigen Kaffee zu lesen ist. Wer eine bekannte Suchmaschine mit den Worten Stress und Kaffee füttert, bekommt auf der ersten Seite direkt untereinander die Überschriften: „Wie der Kaffeekonsum Ihren Stress intensiviert“ und „So kann Kaffee gegen chronischen Stress helfen.“ Headlines, die einander negieren. Am Schluss kommt es sowieso auf etwas anderes an: den Genuss. Wenn mich Koffein unruhig macht und stresst, dann merke ich das selbst. Zu einer koffeinfreien Alternative greife ich aber nur, wenn die- se auch schmeckt. Ich verstehe also nicht, warum die Werbung mich von gesund- heitlichen Vorteilen statt vom guten Geschmack überzeugen will.
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Autor
Lukas Orfert
Veröffentlicht am 09.12.2022
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