Industrie-Bäcker

Bäckereien zu besuchen gehört nicht nur zu den wichtigsten, sondern auch zu den schönsten Aufgaben der DBZ-Redakteure. Ein Blick auf die Adressen der meisten Betriebe offenbart aber, was auch Landesinnungsmeister Heribert Kamm in der letzten Ausgabe bereits im Nebensatz ansprach: Fast immer führt unser Weg zur Backstube in ein Industriegebiet, wo die Produktion zwischen Autohäusern, Teppichläden und Verteilzentren der Deutschen Post noch wirklich die letzte Auflage irgendeiner Behörde erfüllt. Weil der Staat seine Bürger offenbar vor dem Duft frischer Brötchen schützen will, ist das Backen in einer Wohn- und Mischbebauung kaum noch möglich. Klar, die Lage abseits der Innenstädte mag auch für Betriebe logistische Vorteile haben. Trotzdem ist es traurig, dass das Backen als Wirtschaftszweig, Gewerk und Lebenskultur aus der Mitte der Städte und damit aus unserem Blick verlagert wird. Damit geht ein Stück Wertschätzung für das Handwerk verloren, das nur noch jenseits der klinisch sauberen Wohnbezirke stattfindet. Umso tragischer wirkt dies angesichts der Tatsache, dass gerade dort die nächste Generation Fachkräfte heranwächst – mit dem Beruf des Bäckers kommen diese Jungen und Mädchen wohl kaum noch in Berührung.
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Autor
Benedikt Falz
Veröffentlicht am 02.08.2019
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