Kommentar: Ist Ihre Bäckerei schon Fibre gemaxxt?
Schon das Bummeln in einem deutschen Supermarkt kann allein durch das Betrachten der Angebote zu einer massiven Proteinüberversorgung führen. „High Protein“ hier, „Protein Power“ da und „Protein-Riegel“ überall. Bisher scheint sich der Verbraucher damit ganz wohlzufühlen, jedenfalls schneidet sich inzwischen auch das Bäckerhandwerk erfolgreich sein Stückchen aus dem anscheinend unerschöpflich großen Proteinkuchen. Trotzdem stellt sich so langsam die Frage, welcher Ernährungskult demnächst durch das Dorf getrieben wird. Normalerweise muss man sich für eine Antwort den Unsinn, den die Food-Influencer auf TikTok und Instagram verbreiten, antun. Zum Glück haben das schon Experten für uns getan, und die sind der Überzeugung, dass demnächst „Fibremaxxing” angesagt ist. Lebensmittelkonzerne wie Dr. Oetker haben den Trend bereits aufgegriffen und bringen entsprechende hochpreisige Fertigprodukte auf den Markt. Nun steht Fibre bekanntlich für Ballaststoffe. Raten Sie mal, wer diese deutlich preiswerter und bekömmlicher liefern kann als die Food-Konzerne? Genau, die Bäcker. Ein Vollkornbrot wischt mit jeder High Fibre Dose den Boden, und sogar das gute alte Roggen-Mischbrot kann je nach Rezeptur einen Ballaststoffgehalt erreichen, der das Werben mit „High Fibre” erlaubt. Brotsenator Bernd Kütscher hat auf dem Großbäckertag vorgerechnet, um wieviel preiswerter die Ballaststoffversorgung über Vollkornbrot ist. Da müssen Sie nur noch Ihr Marketing etwas anpassen: „Ballaststoffreich“ ist für Oma und Opa. „High Fibre“ dürfte dagegen ganz neue Kundengruppen erschließen.