Kaffee als Spielball

Tchibo erhöht die Preise für seine Kaffees. Begründet wird der Schritt mit den gestiegenen Rohkaffeepreisen am Weltmarkt. Die, so lautet vielerorts die Argumentation, deshalb steigen, weil in Brasilien schlechte Wetterbedingungen für die sensible Kaffeepflanze herrschen und außerdem die Arbeiter fehlten, um den Kaffee zu ernten. Das klingt für den Verbraucher plausibel. Doch wie viel Wahres ist an der Argumentation dran? Wird nicht immer noch mehr Kaffee geerntet und geröstet als er getrunken werden kann? Ist es nicht vielmehr – vermeintlich zunehmend chinesisches – das Geld an den Börsen, dass den Kaffeepreis treibt? Und welchen Anteil macht der Wareneinsatz wirklich vom Verkaufspreis der Packung feine Milde aus? Dieser Kommentar soll keine Argumente liefern, den Preis nicht zu erhöhen, im Gegenteil. Denn das Spiel funktioniert auch andersherum, schließlich hat Tchibo in der Vergangenheit die Preise bei fallenden Weltmarktkursen ebenso gesenkt. Dass die Preise möglichst erschwinglich sein sollen, ist nachvollziehbar: Günstiger Kaffee lässt sich schön auf die erste Seite des Einzelhandel-Prospektes am Wochenende drucken, das zieht. Wo ist also das Problem, wenn die Preise schwanken, wie sie es 2011 und 2014 getan haben? Ganz einfach: Von den Preisen hängen in den Herstel- lungsländern Existenzen ab und nicht nur 50 Cent mehr auf der Packung. Wenn wir also einen Wunsch für eine heile Welt äußern dürfen: Bleibt beim teureren Kaffee, schafft verlässliche Rahmenbedingungen für Erzeuger und der Kunde im Supermarkt wird sich dran gewöhnen können.
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Autor
Lukas Orfert
Veröffentlicht am 23.06.2021
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