Kommentar: Wer solche Freunde hat
Sie kennen ja die alte Regel, dass Staaten keine Freunde haben, sondern ausschließlich Interessen. Es ist nicht verkehrt, wenn die Bäcker diesen Grundsatz gerade in ihren Beziehungen zum Handel immer im Hinterkopf haben. Dann sind sie auch nicht überrascht, wenn der Handelspartner seinen eigenen Bäckerladen direkt neben Ihrem in der Vorkassenzone eröfnet. „Wie bitte?“ sagen Sie hier etwas ungläubig? Nun, genau das war die Reaktion eines Kollegen aus Süddeutschland, bei dem der Händler die eigene Aufbackstation aus dem Markt in die Vorkassenzone verlagerte – vis a vis zur Theke des Bäckers. Damit die Sache richtig Freude macht, stellte der Markt neben die Kaninchenställe zur Brothaltung auch gleich noch einen SB-Kaffeeautomaten. Wir fürchten, dass es sich hier nicht um einen Einzelfall handelt, eine ganz ähnliche Lösung haben wir nämlich inzwischen auch im Ruhrgebiet gesehen. Was den Handel treibt? Wir können es uns nur so erklären, dass er die Kunden abgreifen möchte, die sonst nur schnell beim Bäcker vorbeigeschaut hätten. Außerdem müssen diese Kunden danach ja noch durch den Markt zur Kasse laufen, was noch das ein oder andere Zusatzgeschäft verspricht. Unser Bäcker aus Süddeutschland hat übrigens noch versucht, die Miete zu mindern und traf auf keinerlei Kompromissbereitschaft. Wobei wir wieder bei dem dritten Gebot aus dem großen Buch des Bäckerhandwerks wären: Man kann mit dem Handel wunderbar Geschäfte machen – so lange man nicht auf sie angewiesen ist.