Multikulti in der Backstube: Man spricht Deutsch

Ob Produktion oder Verkauf: In vielen Bäckereien hört man heutzutage weit mehr als nur eine Sprache. Aushilfen, Azubis und Fachkräfte im Bäckerhandwerk stammen aus der ganzen Welt. Viele Betriebe könnten das Backen ohne die fleißigen Migranten einstellen. Nun gehört auch zur Wahrheit, dass Bäcker sehr unterschiedliche Erfahrungen mit den neuen Kollegen gemacht haben. Warum aber klappt in dem einen Betrieb, was bei dem anderen trotz gleichen Engagements in die Hose geht? Eine mögliche Antwort haben wir vor Kurzem während des Besuchs der Backstube einer schönen süddeutschen Bäckerei gefunden. Keine 100 Mitarbeiter, aber ganze 30 Nationen kommen hier unter einem Dach zusammen. Das bietet Potenzial für Reibungen, und deshalb verfolgen Chefin und Chef bei der Zusammenstellung der Arbeitsgruppen eine klare Strategie: Sie setzen die Teams so zusammen, dass möglichst nie zwei Vertreter einer Nation in einer Gruppe sind. So wird verhindert, dass die jeweiligen Muttersprachler ihren eigenen sozialen Mikrokosmos innerhalb des Betriebs bilden. Wenn vier Mitarbeiter an der Station aus Land X und nur einer aus Land Y kommt, kann es schnell passieren, dass letzterer ins Abseits gedrängt wird – schon allein, weil sich die anderen so problemlos miteinander unterhalten können. Auch der Stationsleiter wird sich gegen eine Phalanx von Menschen schwer tun, die seine Anweisungen in einer anderen Sprache kommentieren. So gilt dann vielleicht gerade in den Backstuben der erfolgreichen Integrierer der Grundsatz eines Marktkieker-Preisträgers: Am Arbeitsplatz sprechen wir alle Deutsch.
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Autor
Alea Brockhaus
Veröffentlicht am 10.11.2025
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