Papier weg, Pflicht bleibt

Die Bonpflicht sollte abgeschafft werden. So steht es im Koalitionsvertrag. Nun soll sie offenbar bleiben, nur eben digital. Das ist weniger als versprochen. Sollte man den Vorschlag deswegen als Etikettenschwindel brandmarken? Insbesondere für den Alltag in den Verkaufsstellen ist nicht wichtig, wie die Vorschrift heißt. Entscheidend ist der Prozess. Läuft nicht länger automatisch ein Thermobon aus dem Drucker, ist das eine spürbare Entlastung. Diese würde sich auch an anderer Stelle zeigen: Das Bundesfinanzministerium beziffert den jährlichen Aufwand der Belegpflicht auf rund 144 Millionen Euro. Der digitale Bon darf allerdings nicht zur bürokratischen Baustelle werden. Niemand sollte für den Kauf eines Croissants eine App installieren, ein Kundenkonto eröffnen oder seine E-Mail-Adresse angeben müssen. Der QR-Code muss automatisch und ohne personenbezogene Daten erscheinen. Die Bundesregierung sollte daher ehrlich sagen, was sie plant: Nicht die Bonpflicht verschwindet, sondern der automatische Papierbon. Das ist nur ein halb eingelöstes Versprechen. Gut umgesetzt könnte es für Bäckereien dennoch wertvoll sein. Entscheidend ist, dass der Bon zwar digitaler, der Kassiervorgang aber nicht komplizierter wird.
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Autor
Philipp Lagoda
Veröffentlicht am 06.08.2026
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