Schlecht verpackte Bürokratie

Die Brötchentüte geht als Musterbeispiel pragmatischer Nachhaltigkeit durch: leicht, günstig, recyclingfähig. Doch es wäre ja nicht die EU, wenn nicht auch die Bäckertüte in den Sog der Bürokratie geriete. Die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR gilt ab dem 12. August 2026 europaweit. Ab Februar 2027 müssen Betriebe kundeneigene Behälter akzeptieren, ab 2028 vielerorts Mehrwegoptionen anbieten. Das Problem dabei: Die Regulierung unterscheidet oft zu wenig zwischen komplexen Einweg-Verbundsystemen und der klassischen Brötchentüte vom Handwerksbäcker. Während Brüssel neue Vorgaben formuliert, wird bereits über Ausnahmen und praktikablere nationale Lösungen diskutiert. Verbände warnen vor Mehrkosten, Hygienerisiken und vor allem: Bürokratie. Gerade Bäckereien arbeiten vielerorts längst mit vergleichsweise ressourcenschonenden Verpackungen – schon aus wirtschaftlichem Eigeninteresse. Wer Nachhaltigkeit ernst meint, muss deshalb stärker zwischen problematischen Verpackungssystemen und der simplen Papiertüte unterscheiden. Die Branche braucht praxisnahe Regeln – und vor allem eine laute Stimme in der politischen Debatte.
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Autor
Philipp Lagoda
Veröffentlicht am 14.06.2026
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