Unterschiede finden

Die Frage ist nicht mehr „ob“. Es geht auch nicht mehr um das „Wann“ oder inwieweit wir das überhaupt wollen. Die Digitalisierung und damit die Automatisierung unserer Backstuben ist in vollem Gange. Keine Anlage, keine Maschine, die nicht digitale Daten sammeln und weitergeben kann. Allerdings ist es noch wie bei den allgegenwärtigen Smartphones: Wir nutzen nur einen Bruchteil der Möglichkeiten. Wahrscheinlich ist der Leidensdruck noch nicht groß genug. Aber mit der Zeit – oder besser gesagt: mit immer weniger Fachkräften – werden wir entdecken und schätzen lernen, was digitale Vernetzung und Automatisierung in der Produktion (und auch im Verkauf) bedeuten. Der Weg dorthin ist noch steinig, aber wahrscheinlich viel kürzer, als wir es uns heute vorstellen können. Bleibt die Frage: Was macht das mit der Identität des Bäckerhandwerks? Was wird in Zukunft der entscheidende und für alle sichtbare Unterschied zum gescholtenen Industriebäcker sein? Sicher, schon heute ist der Grad der maschinellen Unterstützung in manchen handwerklichen Backstuben hoch – aber in den allermeisten Fällen ist es (noch) das Know-how des Bäckers, das die Grundlage für Entscheidungen ist. Verbesserte Sensorik, weiter wachsende Datenpools und in nicht allzu ferner Zukunft der Einsatz von KI lassen den Wissens- und Erfahrungsvorsprung der Bäckermeister jedoch schrumpfen. Was ist der Kern des Handwerks, wenn es nicht mehr auf die Hände und Köpfe der Bäcker ankommt? Rächt es sich hier, dass alle mit dem guten alten Handwerk werben, aber niemand definiert hat, was das eigentlich ist? Auf diese Fragen sollten wir in den Backstuben und in den Verbänden schnellstens Antworten finden, bevor sich bei den werten Kunden der Eindruck verfestigt, Industrie und Handwerk seien eins.
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Autor
Christian Bremicker
Veröffentlicht am 01.10.2024
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