Vom Köder und Angler

Ich bin neulich im Internet über einen Werbespot gestolpert. Diejenigen, die in sozialen Netzwerken unterwegs sind, kennen ihn vermutlich: Jeremy Fragrance wirbt für Aldi- Backwaren. Im Stil einer Parfüm-Werbung zeigt sich Fragrance begeistert vom Duft der Backwaren des Discounters. Wer Jeremy Fragrance ist? Jemand, der seit einiger Zeit im Internet rumgeistert und eben vor allem irgendwas mit Parfüm zu tun hat. Ich persönlich fand ihn immer unsympathisch, wenn er mir mal irgendwo untergekommen ist. Dementsprechend stellte sich auch eine leichte Genugtuung ein, dass sich Aldi nun ausgerechnet so jemanden als Werbegesicht eingekauft hatte. Doch diese Freude währte nur kurz, denn offensichtlich hatte sich die Marketing-Agentur von Aldi länger mit der Person Fragrance beschäftigt als ich und der Zielgruppe entsprechend analysiert. Das Ergebnis: Der Werbespot funktioniert – Punkt. Auf der Video-Plattform Youtube ist der Spot bislang 2,8 Millionen Mal geklickt worden, und die Kommentare von Nutzern fallen in großen Teilen überschwänglich begeistert aus. Ich bin mir allerdings sicher, dass nicht jeder bei Aldi die Person Fragrance mag, aber darum geht es auch gar nicht. Auch für Ideenfindungen im eigenen Unternehmen ist das immer ein guter Ansatz: Sie wollen eine junge Zielgruppe ansprechen? Binden Sie ihren Nachwuchs ein – und stellen Sie eigene Vorlieben zurück. Wie heißt es so schön: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.
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Autor
Lukas Orfert
Veröffentlicht am 04.03.2023
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